Männer-
gesangverein

St. Gregorius

Eschweiler-Röhe

nach Hausewas wir so vorhabenSänger und Vorstandwas andere so über uns schreibenwas bisher so warmit uns redender Rest der Welt

Chronik


Aus der Festschrift zum 125jährigen Bestehen


Bericht zum 135jährigen Bestehen


Aus der Festschrift 600 Jahre Röhe (1948)


Berichte zum 140jährigen Bestehen


Berichte zum 150jährigen Bestehen

 

Der Gründer des
"Gregorius-Vereins zu Röhe"
Lehrer Severin Vogler

Dirigent von
1861 - 1889


Aus der Vereinschronik des
MGV St. Gregorius Kirchenchor

Wenn in diesem Jahre der MGV St. Gregorius/Kirchenchor der Pfarre St. Antonius als einer der ältesten Röher Vereine sein 125jähriges Bestehen feiert, so ist das zu Recht Anlaß zu einem etwas eingehenderen Rückblick auf das bewegte und für jeden Röher Bürger interessante Vereinsgeschehen.
Genau genommen, darf man den MGV St. Gregorius sogar als den ältesten Ortsverein bezeichnen; denn aus dem vor ca. 50 Jahren bekannt gewordenen Inhalt eines Briefes des ehemaligen Röher Lehrers Severin Voglers geht klar hervor, daß er den Chor bereits im Jahre 1853 gegründet hat. Er schickte diesen Brief vor dem goldenen Jubelfest des Vereins, das 1911 gefeiert wurde, an den damaligen Dirigenten Herrn Johann Conrads.
Wenn der Röher Kirchenchor erst in diesem Jahre sein 125jähriges Bestehen feiert, so liegt das daran, daß vermutlich im Jahre 1861 ein Vorstand gebildet wurde. Somit gilt offiziell das Jahr 1861 als Gründungsjahr. Leider wurde in den ersten fünf Jahrzehnten keine Vereinschronik geführt, so daß man später ausschließlich auf die mündliche Überlieferung alter Mitglieder angewiesen war.

Ältestes Dokument der Vereinsgeschichte: Brief des Gründers aus dem Jahre 1910

Im Juli 1853 bildete sich unter Mitwirkung des Herren Pfarrers Johnen aus sangeslustigen jungen Leuten ein Kirchenchor, der neben dem Kirchengesange auch den weltlichen Gesang pflegte und diesen in Conzerten zur Anwendung brachte. Dieser Röher Gesangverein fand durch Teilnahme vieler inaktiver Mitglieder reichliche Unterstützung. Herrlicher Kirchengesang und wohlgelungene Conzerte machten den Röher Gesangverein weithin berühmt. Zur höchsten Blüte kam der Verein, als Herr Vikar Esser vom Jahre 1861 an Präses des Vereins war. Zu seiner Zeit gab der Verein am Tage der Glockenweihe das schönste aller Conzerte unter Mitwirkung der berühmten Kapelle Rothschuh und der zwei berühmten Sänger, der Herren Strom und Schau von Aachen. Der Reinertrag war so glänzend, daß der Verein dem Kirchenvorstande 60 Thaler zur neuen Glocke überreichen konnte. Die finanziellen Verhältnisse des Vereins waren damals außerordentlich günstig, so daß der Verein von den "Ehrwürdigen Schwestern vom Armen Kinde Jesu" eine herrliche Fahne, danach eine Statue des hl. Gregorius herstellen ließ. Damals wurde der Verein auch umgetauft mit dem Namen St.-Gregorius-Verein, und wurden die bisher mündlichen Statuten in schriftliche umgewandelt.

Bald danach wurde der St.-Gregorius-Verein auch einer zweiten Taufe unterzogen. Das trug sich also zu: Der S.G.V. nahm damals an einem Wiesengesangsfeste des Würselener Kirchenchores teil. Unaufhörlich rauschte der Regen während der Festfeier vom Himmel herab, auch noch bei unserer Heimreise durch Dobach und St. Jobs. Unter Gesang lustiger Lieder wanderten wir frisch voran, Mann an Mann, achteten des heftigen Regens, in der Dunkelheit auch nicht des Weges und rannten, der Herr Präses an der Spitze, in den St. Jobser Pfuhl hinein, wobei einer ertrank, nämlich der funkelnagelneue Hut des Herrn Vikars. Vor drei Jahren erinnerte sich Herr Esser, Oberpfarrer in Jülich, noch an dieses Ereignis und stellte in Aussicht, an einem 50jährigen Jubiläum des S.G.V. mitfeiern zu wollen. Leider ist er nicht mehr unter den Lebenden.

Mit dem Wechsel der Zeiten wechselte der Verein nicht seine Tätigkeit, gab vielmehr seinen Weihnachtsaufführungen einen religiösen Charakter, was großen Beifall fand. Nur Tage der Wonne hat der Verein bis dahin durchlebt. Aber mit des Schicksals Mächten ist kein ew'ger Bund zu flechten; auch dem Verein wurde der Kelch der Bitterkeit dargereicht. Das war in dem bösen Kulturkampf.

Es wurde dem Verein auf Verlangen eines gewissen Herrn der Kirchengesang entzogen, wobei zugleich der Dirigent und Organist des Friedens wegen auf den Orgeldienst verzichtete. Dirigent und Verein aber hielten in ihrer zweiten Eigenschaft als weltlicher Verein fest zusammen, bis sie endlich am Vorabend des hl. Fronleichnamsfestes auf höhere Anordnung den Kirchengesang wieder übernahmen.

Wenn in späterer Zeit den Kirchenchor ein ähnliches Schicksal traf, so ist die Hoffnung nicht ausgeschlossen, daß auch in Zukunft aus ihrem Munde wieder in der Kirche das Lob Gottes erschallen werde.

Ergänzung zu dem Text von Severin Vogler bzw. dem Brief von 1910

Mit dem letzten Satz spielt Lehrer Vogler auf eine Vereinskrise an, die nach dem Ende seines Nachfolgers Hubert Bertrams 1908 entstanden war.

Der Chor bestand darauf, daß der bisherige Vizedirigent Johann Conrads, ein Autodidakt mit hervorragender musikalischer Begabung, die Stelle als Küster, Organist und Chorleiter erhalten solle. Pfarrer Hintzen lehnte ab, für ihn kam nur ein Kirchenmusiker mit Examen in Frage. Die Fronten verhärteten sich, es kam zum Eklat. Pfarrer Hintzen setzte die Berufung eines ortsfremden Organisten durch, die Mehrzahl der Gregoriussänger jedoch war nur bereit, unter dem Dirigat ihres Sangesbruders Johann Conrads zu proben und öffentlich aufzutreten. Das hatte zur Folge, daß der St.-Gregorius-Verein nicht mehr als Kirchenchor fungieren konnte und ein neuer Kirchenchor, "St. Cäcilia Röhe", gegründet wurde.

Während dieser Chor sich auf die Dauer nie so recht behaupten konnte, brach für den St.-Gregorius-Verein eine neue Blütezeit an. Dirigent Johann Conrads, eine Persönlichkeit mit starker Ausstrahlung und mit Fingerspitzengefühl für Auswahl und Interpretation guter Chorliteratur, machte seinen Chor bald weit über die Ortsgrenzen hinaus bekannt.

Seine zielbewußte Arbeit, seine einmalige Art der Menschenführung und Chorleitung formten den St.-Gregorius-Verein zu einer verschworenen Gemeinschaft, deren Geist Generationen überdauerte und heute noch lebendig ist.

Es dauerte jedoch mehr als ein Jahrzehnt, bis ein Kompromiß den Röher "Sängerkrieg" beendete. Gregorius-Verein und Cäcilienchor schlossen sich unter dem neuen Namen "St.-Gregorius-Kirchenchor" wieder zusammen. Der Chorleiter des Cäcilienchores, Arnold Fehr, blieb Küster und Organist, Johann Conrads übernahm die Chorleitung. Präses wurde Pfarrer Hintzen.

Zeitungsbericht über das goldene Jubelfest im "Bote an der Inde" vom 17.7.1911

Das goldene Jubelfest des St.-Gregorius-Gesangvereins zu Eschweiler-Röhe, das am gestrigen Sonntag (17. 7. 1911) begangen wurde, nahm einen würdigen und glänzenden Verlauf. Röhe trug sein schönstes Feierkleid. Morgens wohnten die aktiven und inaktiven Mitglieder, zusammen etwa 150 an der Zahl, dem Festgottesdienst bei. In ihrer Mitte befanden sich auch zwei Jubilare aus dem Gründungsjahre, der erste Dirigent, Herr Hauptlehrer a. D. Vogler, jetzt in Weiden, und Herr Pohlen, Röhe. Beide trugen goldene Kränze. Ein dritter Mitbegründer, Herr Simons, der infolge seines Gesundheitszustandes am Feste nicht unmittelbar teilnehmen konnte, wurde durch ein Ständchen an seiner Wohnung in der Nickelstraße geehrt. Den Glückwunsch und Dank an die Gründer übermittelte Herr Lammertz. Nachmittags formierte sich ein imposanter Festzug, an dem die sämtlichen Ortsvereine und zahlreiche Brudervereine aus der Nachbarschaft sich beteiligten. In acht Wagen, die von schmucken Reiterscharen eskortiert wurden, fuhren die Ehrengäste mit, darunter Herr Bürgermeister Dr. Hettlage, Herr Pfarrer Hintzen, Herr Vikar Pütz, Herr Beigeordneter Krüger sowie die Herren Stadtverordneten Leufgens und Elsen und die Jubilare. Außer den drei erwähnten Gründern bemerkte man noch 8 Silberjubilare, die Herren Büttgen, Carduck, Emunds, Frings, Josef Müller, Peter Müller, Mütter und Nellessen, sämtlich mit silbernem Kranze geschmückt. Unter den fröhlichen Klängen der Eschweiler Stadtkapelle und des Musikkorps des Aachener Hüttenvereins zog der lange Zug seine lange Bahn, überall von Hunderten besehen und bewundert. Nach 5 Uhr begann auf der Festwiese hinter der Restauration Müllejans ein großes Gesang- und Musikfest. Der Jubelverein sang zunächst einen wuchtigen und stimmungsvollen Begrüßungschor von Gernsheim, "Willkommen, ihr Sänger!" Trotz der Anstrengungen des Marsches wurde mit großer Bravour gesungen. Reicher Beifall lohnte die Sänger und ihren wackeren Dirigenten, Herrn Conrads.

Den Willkomm im Liede bekräftigte der zweite Vorsitzende des Festkomitees, Herr Franz Goerres, durch das gesprochene Wort. Er hieß alle Festgenossen willkommen, gedachte der Zeit, da der Verein vor 50 Jahren von dem nunmehr 89jährigen Herrn Vogler begründet worden sei und betonte, daß die Liebe zum Gesange wie einst so auch heute die Gregoriussänger beseele und verbinde. Die große Sympathie, die dem Verein entgegengebracht werde, äußere sich u. a. in dem aus 70 Bürgern der verschiedensten Stände zusammengesetzten Festausschüsse, in der allgemeinen Teilnahme am Feste aus der Nähe und aus der Ferne und in der Anwesenheit so vieler Ehrengäste. Allen sprach er im Namen des Vereins den besten Dank aus. Er schloß mit dem begeistert aufgenommenen Hoch auf die Ehrengäste.

Herr Bürgermeister Dr. Hettlage dankte für die freundliche Einladung zum Feste. Er sei ihr von Herzen gern gefolgt, um dem Jubelverein im eigenen und im Namen der Stadtverwaltung den herzlichsten Glückwunsch auszusprechen und ihn der aufrichtigsten Sympathie zu versichern. Der Verein verdiene sie, weil er in den 50 Jahren seines Bestehens so viel Schönes und Mustergültiges geleistet und davon soeben wieder eine glänzende Probe abgelegt habe. Der St.-Gregorius-Verein gehöre zu den treuen und erfolgreichen Schützern des deutschen Liedes, das bei allen edlen Menschen Anerkennung und Unterstützung finde. Für ihre Verdienstlichkeit gebühre allgemeiner Dank den Sängern und ihrem Dirigenten. Es freue ihn ganz besonders, heute auch den ersten , Dirigenten und Begründer, Herrn Vogler, begrüßen und ihm für sein edles Streben zur Pflege des Gesanges und für seine 39jährige treue Lehrtätigkeit im Dienste der Stadt, die ja auch vom Landesherrn anerkannt worden sei, den wohlverdienten Dank aussprechen zu können. Von der heutigen Feier, die dem deutschen Lied gelte, richte sich von selbst der Blick auf dessen höchsten irdischen Protektor, auf Se. Majestät den Kaiser und König. Ihm erklang ein urkräftiges dreifaches Hoch ringsum aus dem großen, starken Chore deutscher Sänger. Nunmehr folgte, zeitweise unterbrochen von ansprechenden Musikweisen, eine stattliche Reihe reizender Männerchöre, von den einzelnen Vereinen abwechselnd vorgetragen. Es waren fast durchweg vorzügliche Leistungen. Jeder Teilnehmer schied mit dem Bewußtsein, schöne Stunden verlebt zu haben. Jedenfalls hat das Jubelfest manche neue Anregung gegeben, neue Sangeslust erweckt und neue Sangesfreunde geworben. Dem Jubelverein zum Schlusse auch unseren herzlichsten Glückwunsch!

Auszug aus der Festschrift des St.-Gregorius-Kirchenchores anläßlich seines 60jährigen Bestehens am 18.9.1921

Fester gefügt wurde der Verein durch ein Statut, das am 28. Mai 1875 niedergeschrieben und von sämtlichen Mitgliedern unterschrieben wurde. Der erste Absatz des Statuts lautet: "Der Zweck des Gregorius-Vereins ist die Pflege des Gesanges in jeglicher Richtung sowie gesellige Unterhaltung." Die Stellung des Vereins zum Kirchengesang wird trefflich beleuchtet durch den letzten Satz: "Da der Verein den Kirchengesang zur Verherrlichung des Gottesdienstes pflegen wird, so hat auf dessen Antrag der Herr Pfarrer Johnen das Ehrenamt eines Protektors des Vereins übernommen."

In den Wohnungen alter Sänger wie auch im Vereinslokale findet man ein Bild, das wohl auch wie das Statut in den Jahren nach dem Krieg von 1870/71 entstand. In der Mitte zeigt es den Pfarrer Johnen und den Dirigenten Vogler, zu beiden Seiten die gewiß stattliche Anzahl von 45 Sängern, die, der damaligen Sitte entsprechend, vielfach einen Bart trugen. Ganz im Anfang war der Verein nicht so stark und mußten Knaben und Mädchen bei den gesanglichen Aufführungen, auch in der Kirche, helfen. Ordentlich stolz sind die Alten darauf, daß sie in den Anfangsjahren des Vereins im Knabenchor mitgesungen haben, bis sie, 18 Jahre alt geworden, als eigentliche Mitglieder aufgenommen werden konnten.

Volle 28 Jahre lang hat Lehrer Vogler den Verein dirigiert, bis bei seinem Weggange im Jahre 1889 der Küster und Vizedirigent Hubert Bertrams die Leitung des Vereins übernahm. Und als nach 19 Jahren opferreicher Tätigkeit Bertrams starb, ist Werkmeister Johann Conrads, ein rühriger und fähiger Mitbürger, sein Nachfolger geworden. Heute noch steht er, geliebt von seinen Sängern, geachtet in der ganzen Gemeinde, als Dirigent an der Spitze des Vereins.

Seit dem Jahre 1869 nennt der Verein eine prachtvolle Fahne sein eigen. Wie alte Sänger berichten, kostete sie 300 Taler und wurde in Aachen im Kloster "Kind Jesu" gestickt. - Schwer fließt die dunkelrote Sammetbahn am kunstvoll geschnitzten Schaft hernieder. Der Fahnenschaft wurde von dem ehem. Sänger, dem Bau- und Schreinermeister Heinrich Josef Hartmann, in kunstvoller Weise hergestellt und dem Verein geschenkt. Auf der einen Seite trägt sie das Bild des Schutzpatrons des Vereins, des hl. Gregorius nebst der Inschrift:

Cantate Domino canticum novum
Singet dem Herrn ein neues Lied.
Laus ejus in Ecclesia sanctorum.
Sein Lob erschalle in der Versammlung der Heiligen.

Auf der anderen Seite der Fahne liest man:

St. Gregorius-Verein in Röhe.

Darunter stehen eine Lyra und ein aufgeschlagenes Liederbuch mit Noten und Text:

"Magnificat anima mea Dominum,
et exultavit spiritus meus in Deo salutari meo."
"Hochpreiset meine Seele den Herrn,
und mein Geist frohlocket in Gott meinem Heilande."

Die Fahnenspitze wurde von der ersten Vereinswirtin, der Wwe. Peter Ohligschläger, die im jetzigen Dostallschen Hauen der oberen Aachener Straße wohnte, geschenkt und kostete 42 Taler. In ihrer ganzen Ausführung bis auf die Spitze zu, die auch noch in Messing getriebene Heiligenbilder hat, verrät die Fahne religiösen Geist und zeigt an, daß der Verein vornehmlich Kirchengesang gepflegt hat. - An der Spitze der Fahne blinken und blitzen zahlreiche Medaillen und zeugen von mancher Ehrung des Vereins. Um die Brust des Fahnenträgers zu schmücken, stiftete ein früheres Mitglied, der längst verstorbene Landwirt Michael Emundts (am Kreuz an der Aachener Straße) eine kunstvolle goldene Medaille. Das Amt des Fahnenträgers war nämlich früher eines der ehrenvollsten im Verein, wie schon daraus hervorgeht, daß derselbe für die Ehre, die Fahne tragen zu dürfen, alljährlich fünf harte Taler in die Vereinskasse zahlen mußte. Der erste Fahnenträger war der Bauunternehmer Paul Ohligschläger, dessen Vater Peter Ohligsschläger unsere Pfarrkirche für 12000 Taler erbaut hat. - Vor zehn Jahren, zum fünfzigjährigen Jubelfeste, wurde die Goldstickerei der Fahne von der ehrwürdigen Schwester Salomea des hiesigen Klosters kunstvoll erneuert.

Vieles hat der Verein im Laufe der langen Jahre zur Erbauung der Gemeinde getan. Sein alljährlich stattfindendes Hauptfest ist heute noch ein wahres Volksfest. Anfangs wurde es am Weißen Sonntag gefeiert, in späteren Jahren am 2. Weihnachtstage. Auf diesen Festen wurden Chöre und Volkslieder zum Vortrag gebracht, auch gelangten Theaterstücke gediegenen Inhalts zur Aufführung. Ähnliche Festaufführungen gab der Verein zum Besten der Pfarrkirche und konnte jedesmal eine erhebliche Summe abliefern (z. B. Eschweiler Anzeiger, 25. 9. 1875: Am Kirmessonntag, 3. Oktober 1875 veranstaltet der Gregorius-Verein zu Röhe im Saal des Herrn Schmitz ein Vokal- und Instrumental-Konzert zur Beschaffung einer Statue des hl. Gregorius für die hiesige Kirche).

Die Feste der St. Sebastianus-Schützenbruderschaft, besonders den Vogelschuß am Pfingstmontag, verschönerte der Verein durch seine Lieder. Er sang am weißen Sonntag, wenn unschuldige Kinder, begleitet von andachtsvollen Eltern und Verwandten, zum Gotteshause zogen, den lieben Heiland zum ersten Male in ihr engelreines Herz aufzunehmen. Seine frommen Weisen zogen mit dem Herrn der Welt, wenn er am Fronleichnamstage durch die geschmückten Straßen, über die sonnigen Flure getragen wurde. Wenn an hohen Festtagen im Schiff der trauten Heimatkirche andachtsvoll die betende Gemeinde kniete, dann brausten die Gesänge des Vereines von der Orgelbühne durch das weite Gotteshaus, den großen Gott zu loben, ihn zu bitten, ihm zu danken. Mancher Freund und Sangesbruder starb dahin, und wenn sein Leib unter leise rauschenden Friedhofbäumen sanft hineingesenkt wurde, dann klagte ein leises Grablied seiner überlebenden Kameraden um den Toten und tröstete mit dem Wiedersehen über den Sternen. So zogen die Sänger im Jahre 1912 zum Nachbarorte Weiden, um ihrem Gründer und ersten Dirigenten, der als der Älteste der Lehrerschaft des ganzen Landkreises Aachen starb, bei der Beerdigung den letzten Scheidegruß zu singen. Auch zur gemütlichen Geselligkeit weiß der Verein zu einen. Alljährlich versammelt er seine aktiven und inaktiven Mitglieder und deren Familien im Wald und froher Sang und heiteres Kinderlachen erschallen, bis goldener Abendsonnenschein durch die Stämme glänzt und die sinkende Nacht graue Nebelschleier webt. Dann gehts mit munterem Marschlied nach Hause, wo bald schlummernde Kinder einem noch schöneren Waldfeste entgegenträumen.

1914 -1918: Die furchtbare Kriegszeit kam und Jünglinge und Männer mußten hinaus in den Kampf. Eisen und Blei und hitziges Fieber rafften auch brave Vereinsmitglieder hinweg. Zehn Sänger starben den Heldentod, zwei sind vermißt. Der Krieg ging vorüber; die anderen kamen heim, und bald fanden sie sich wieder zusammen, den Gesang zu pflegen. Eine Einigung der örtlichen Gesangvereine wurde erstrebt und durchgeführt. Der St.-Gregorius-Verein erhielt den Namen St. Gregorius-Kirchenchor und singt wieder wie in früheren Jahren zur Ehre Gottes, zur Erbauung der Gemeinde.

Heute feiert der Verein sein sechzigstes Stiftungsfest. Eine prachtvolle Fahnenschleife wurde ihm von der marianischen Jungfrauenkongregation, die ihn heute zum zweiten Male beim Vortrag von gemischten Chören unterstützt, verehrt. Eine große marmorne Erinnerungstafel mit den Namen der Gefallenen und Vermißten schenkte dem Verein der Festausschuß. Sie wird im Vereinslokale aufgestellt und wird bis in späteste Zeiten die Sänger an den großen Krieg erinnern und an die, die in ihm ihr Leben gelassen haben.

Möge der St. Gregorius-Kirchenchor fortbestehen, solange unsere Nachkommen hier schaffen und beten, möge er immerfort weiterwirken, zur Ehre Gottes, zur Erbauung der Gemeinde.

Auszug aus der Festschrift des MGV St. Gregorius Kirchenchores anläßlich seines 100jährigen Bestehens vom 26. bis 28. August 1961

Niemand konnte bei der Enthüllung dieser Ehrentafel damals ahnen, daß drei Jahrzehnte später zwei weitere Tafeln notwendig sein würden, um die Namen der Opfer des zweiten Weltkrieges aufzunehmen.

Im Jahre 1933 bat Herr Conrads, mit Rücksicht auf sein vorgeschrittenes Alter die Chorleitung einer jüngeren Kraft zu übertragen. Nur ungern sahen ihn die Sänger scheiden, wußte doch jeder, wieviel der Verein diesem unermüdlich tätigen Manne verdankte. Nachfolger wurde der junge, hervorragend begabte Organist und Musiklehrer Heinrich Huhn. Diesem übergab Herr Conrads nach 25jähriger Tätigkeit den Chor zu treuen Händen und blieb selbst weiterhin ein eifriger aktiver Sänger.

Im Zuge der 1933 erfolgenden Gleichschaltung aller Gesangvereine sah sich der "St.-Gregorius-Kirchenchor" gezwungen, entweder dem Deutschen Sängerbund beizutreten, oder aber auf jeglichen öffentlichen Vortrag weltlichen Liedgutes zu verzichten. Um allen Schwierigkeiten aus dem Wege zu gehen, entschloß man sich, unter dem Namen "St.-Gregorius-Gesangverein" dem Sängerbund beizutreten.

Schon bald zeigte es sich, daß Herr Conrads in dem jungen Chorleiter Huhn einen würdigen Nachfolger gefunden hatte, der nicht nur den Stand des Chores halten, sondern sein hohes gesangliches Niveau nochverbessern konnte. Glanzvoller Höhepunkt seines Schaffens, ja, man kann sagen, der Höhepunkt der Vereinsgeschichte überhaupt war die 75-Jahr-Feier des Vereins am 18. und 19. Juli 1936. Der große Saal des Gasthauses "Zum Schwan" war zu klein, die zahlreichen Besucher der Veranstaltungen zu fassen. Ein einmaliges Erlebnis für die Röher Sangesfreunde waren die beiden Festkonzerte, für die Chorleiter Huhn hervorragende Solisten und Chöre verpflichtet hatte.

Die Tagespresse lobte die ausgezeichneten Leistungen des Jubelchores, der damals 54 Sänger auf die Bühne stellen konnte. Als Herr Huhn diese stattliche Sängerschar mit noch zwei von ihm geleiteten Chören zu einem Massenchor vereinte, kannte die Begeisterung der Zuhörer keine Grenzen mehr. Ein musikalischer Leckerbissen waren die Darbietungen des Solo-Quartetts des MGV "Sängerbund" Köln-Mülheim. Immer wieder mußten die Mülheimer Sänger den anhaltenden Applaus mit Zugaben quittieren.

Die Kette der Gratulanten wollte bei diesem Fest kein Ende nehmen. Kreisschulrat Bappert als Vertreter der Regierung überreichte die vom Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung gestiftete silberne Zelter-Plakette für Verdienste um die Förderung des Chorgesanges und die Pflege des deutschen Volksliedes. Diese Plakette hat heute noch ihren Ehrenplatz im Vereinslokal. Anläßlich dieses Jubelfestes konnte der damalige Vorsitzende Josef Keusgen seinen Vorgänger Franz Görres für 50jährige Mitgliedschaft ehren und zum Ehrenvorsitzenden ernennen. Johann Conrads, der 40 Jahre Mitglied war, wurde zum Ehren-Chormeister ernannt.

Große Erfolge errang der St.-Gregorius-Gesangverein auch bei den damals üblichen Leistungs- und Wertungssingen. Überall waren die Röher Sänger gern gesehene Gäste, deren musikalisches Können sich hoher Wertschätzung erfreute.

Aber schon verdüsterten dunkle Wolken den politischen Horizont und erfüllten die Menschen mit Angst und Sorge. Und dann brach der zweite Weltkrieg aus. Alle jungen Chorsänger mußten sofort den Soldatenrock anziehen; unter ihnen war 1940 auch Chorleiter Huhn. Für ihn sprang trotz seines Alters Ehrendirigent Johann Conrads wieder in die Bresche und ermöglichte so das weitere Auftreten des Chores wenigstens in der Kirche. Aber die Situation wurde immer schwieriger. Auch die älteren Sänger mußten hinaus an die Front; nur wenige Sänger fanden sich zum Singen zusammen. Der Krieg verwüstete auch unser Heimatdorf; eine Zeit harter Not und Entbehrungen begann für die Überlebenden. Zehn treue Sangesbrüder waren draußen geblieben; viele andere mußten jahrelang in trostloser Gefangenschaft schmachten. Die Kirche war zerschossen, die Wohnungen lagen in Trümmern, und auch das Probelokal Imping war weitgehend zerstört. Und doch schon in den ersten Nachkriegsmonaten des Jahres 1945 fanden sich auf die Initiative von Peter Stüttgen und dem langjährigen Vorsitzenden Josef Keusgen einige heimgekehrte Sänger zusammen, um wieder zu singen. Im früheren Probesälchen suchte man die noch verbliebenen Notenreste zusammen, und dann erscholl aus den Trümmern - ergreifend und trostvoll für alle, die dabei waren - ein Lied als Lob und Dank für die Gnade der Heimkehr.

Unter dem Vorsitz von Peter Stüttgen entfaltete der Verein, allen äußeren Schwierigkeiten zum Trotz, schon bald wieder eine rege Tätigkeit. Im Klostersaal wurde eine Notkirche eingerichtet, und für alle Sänger und die ganze Gemeinde war es ein großer Tag, als zum ersten Male nach dem Krieg wieder bei der heiligen Messe durch den Kirchenchor das Lob Gottes erklang. Da noch viele Sänger nicht heimgekehrt waren, halfen die Mädchen der Pfarrjugend mit, einen gemischten Chor zu bilden. Das war jedoch nur vorübergehend; schon 1947 konnte man wieder als Männerchor auftreten und so die alte Tradition des Chores fortführen.

Im Jahre 1949 übernahm Josef Keusgen, der den Verein bis zum Kriegsende geleitet hatte, den Vorsitz. Peter Stüttgen, der sich um den Wiederaufbau des Chores so verdient gemacht hatte und mit unermüdlichem Eifer und viel Idealismus jedem Sänger Vorbild war, wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Für die folgenden Jahre gab die Persönlichkeit Josef Keusgen dem gesamten Verein ein eindrucksvolles Gepräge. Aus dem Geist seiner Gründer lebend, hielt der Verein am alten Brauchtum, an seiner Tradition fest, stand auf der anderen Seite jedoch den Forderungen unserer Zeit aufgeschlossen gegenüber, bemüht, in jeder Hinsicht an Niveau zu gewinnen. Einen wesentlichen Anteil an dem Gelingen dieses Bemühens hatte auch jetzt wieder Johann Conrads, der trotz hohen Alters es noch immer meisterhaft verstand, seinen ihm ans Herz gewachsenen Chor zu großen Erfolgen zu führen.

Nach insgesamt 35jähriger Chorleitertätigkeit trat dann Herr Conrads im Frühjahr 1950 endgültig von seinem Amt zurück und legte es in die Hände seines Nachfolgers Heinrich Zander, den die Pfarrgemeinde als Küster und Organisten angestellt hatte. Der junge Musiklehrer, Sohn des verstorbenen Röher Lehrers Michael Zander, zeigte schon bald, daß er die an ihn gestellten Erwartungen erfüllen würde. Auch er war, wie sein Vorgänger, musikalisch außerordentlich begabt und stellte beim Röher Sängerfest anläßlich des 90jährigen Bestehens in seinem Chor einen Klangkörper vor, der, weit über die Grenzen des Heimatdorfes hinaus, seinen guten Namen wahren und das Ansehen des Chores noch heben konnte.

Es war ein schwerer Schlag für den Verein, als nach langer Krankheit Vorsitzender Josef Keusgen im Jahre 1954 verstarb. Zu seinem Nachfolger wählte man einstimmig Peter Schauergans, der in Vertretung bisher den Verein mustergültig geführt hatte. Der St.-Gregorius-Gesangverein zeigte auch unter seinem Vorsitz immer wieder, daß sich seine Aufgabe nicht auf den Gesang beschränkt, daß er wirklich als wesentlicher Träger des kulturellen Lebens seines Heimatdorfes mitten im Leben steht und in diesem Sinne immer wieder seinen Beitrag an die Gemeinschaft leistet.

Den schönsten Beweis für diese Haltung erbrachten die Mitglieder des Chores bei der Beschaffung einer neuen Orgel, da das alte Instrument im letzten Kriege völlig zerstört worden war. In 19 Monaten sammelten die Sänger 13000 DM, für die eine neue Orgel gebaut werden konnte.
Ein Handballspiel zwischen Kirchenchor und Turnerfreundschaftsbund erbrachte einen namhaften Betrag für die Kirchenbaukasse. Im Vereinslokal wurde in einer würdigen Feier die Krieger-Gedächtnistafel erweitert. Jahr für Jahr half der Chor mit, die Feierstunden am Kriegerehrenmal zu gestalten. Auch an den Veranstaltungen der übrigen Ortsvereine waren die St.-Gregorius-Sänger im Rahmen des Möglichen aktiv beteiligt.

Ein weiterer schwerer Verlust traf den Kirchenchor im Jahre 1957, als der geistliche Präses, Pfarrer Johannes Elsing, plötzlich und unerwartet verstarb. Tief erschüttert standen die Sänger am Grabe des Priesters, der ihnen stets ein väterlicher Freund und Helfer gewesen war. In ihrer aller Herzen wird sein Andenken weiterleben.

Fortsetzung der Vereinschronik nach 1961

Der neue Pfarrer - Präses Nikolaus Pohen stellte schon bald fest, daß die Vereinsstuten nicht mit den Diözesanstatuten übereinstimmten. Er konnte sich zunächst gar nicht damit abfinden, daß der Chor nicht den Namen des Pfarrpatrons, St. Antonius, trug, sondern nach wie vor den Traditionsnamen St. Gregorius führte. Ein weiteres Problem war die Bezeichnung "Gesangverein", die der Präses lieber durch "Kirchenchor" ersetzt hätte. Dies entsprach nun weder Absicht der Gründer des Chores noch seiner Tradition noch der Auffassung seiner jetzigen Mitglieder, die stolz darauf waren, als Männergesangverein gleichzeitig auch die Funktion eines Kirchenchores auszuüben. Schließlich einigte man sich im Jubeljahr 1961 auf einen Kompromiß: Sankt Gregorius blieb der Vereinspatron, der Gesangverein als "MGV" ebenfalls, und "Kirchenchor" wurde hinzugefügt.

Am 26./27. 8. 1961 feierte der "MGV St. Gregorius Kirchenchor" sein 100jähriges Bestehen in einem glanzvollen Jubelfest. "Ganz Röhe war auf den Beinen", lautete die Schlagzeile in der Lokalpresse. Der Vereinsvorstand hatte keine Mühe gescheut, dem Fest einen repräsentativen Rahmen zu geben: Ein Festabend am Samstag in einem für Röhe einmaligen Riesenzelt-Restaurant mit über 800 Besuchern, darunter der Protektor des Jubiläums, Prälat Prof. Th. B. Rehmann, Diözesanpräses aller Kirchenchöre. Mitwirkende: Traditionskapelle des EBV Kohlscheid und Meisterchor "Orphea" Bardenberg. - Ein feierliches Pontifikalamt am Sonntagmorgen, zelebriert von Weihbischof Hünermann: An der Orgel: Domorganist Herbert Voß, Aachen. - Ein imposanter Festzug am Sonntagnachmittag unter Beteiligung aller Ortsvereine, von 10 auswärtigen Gesangvereinen und der EBV-Kapelle. Abschließend Freundschaftssingen aller Gesangvereine auf dem Schulhof.

Es ist eine alte Erfahrung, daß viele Vereine nach großen Jubiläen kritische Zeiten zu bewältigen haben, gerade auch Gesangvereine. Dem "MGV St. Gregorius" erging es nicht anders, das Jubelfest hatte eine Menge Energie verbraucht, und man trat etwas kürzer. Stetig fallende Tendenz bei den Probenbesuchen ließ den Chor musikalisch auf der Stelle treten, sein Repertoire schrumpfte. Dies nahm allerdings nie den Charakter einer ernsthaften Krise an, zumal das gesellige Leben nach alter Tradition gepflegt und auch der Kontakt zu befreundeten Vereinen aufrechterhalten wurde.

Am 21.10. 1962 wurde dem Jubelchor in der Stadthalle zu Mülheim offiziell die Zelterplakette verliehen. Sie erhielt einen Ehrenplatz in dem neuen Vereinslokal Albert Nickel. Hier probte man seit dem 20. 7. 1962, weil der bisherige Vereinswirt Willi Imping sein Lokal geschlossen hatte. Der Wechsel fiel den Sängern nicht leicht; denn immerhin. hatten sie sich im alten Vereinslokal Imping, früher Dickmeis, über viele Jahrzehnte wie zu Hause gefühlt.

Eine Vielzahl von Veranstaltungen kennzeichnet die Vereinsgeschichte der nächsten Jahre, wie z.b. die Teilnahme an Freundschaftssingen und Konzerten befreundeter Gesangvereine, die Gestaltung einer "Wilhelm-Rinkens-Gedächtnisfeier" am 20. 6. 1963 in Röhe, (Rinkens war ein bekannter Komponist, der in Röhe geboren wurde. Der Rinkensplatz ist nach ihm benannt.) jährliche Vereinsausflüge, Stadtgartenkonzerte u.ä.

Unter den Vereinsausflügen sind erwähnenswert die Fahrt nach Wittgenborn 1963, Rheinbrohl 1965, jeweils verbunden mit einem Konzert vor großem Publikum, sowie die jährlichen Pfingstwanderungen nach Steinbachhochwald, die bis heute noch regelmäßig durchgeführt werden.

Dies alles jedoch konnte nicht darüber hinwegtäuschen, daß der Chor musikalisch auf der Stelle trat. Der Probenbesuch sank Jahr für Jahr und erreichte 1968 den Tiefpunkt von 35-40 %. Chorleiter und Vorstand suchten intensiv nach Möglichkeiten, die Sänger neu und anhaltend zu motivieren. Man fand die Lösung in der langfristigen Planung regelmäßiger Konzertveranstaltungen mit einem sehr hohen Anspruchsniveau. Erstes Konzert dieser Art war eine "Kirchenmusikalische Andacht" am 16. 3. 1969 in der Röher Pfarrkirche St. Antonius. Wurde dieses Konzert noch ausschließlich mit eigenen Kräften bestritten, lud man sich zum "Kleinen Jubiläum" im Jahr 1971 einen Meisterchor als Partner ein: MGV "Hilaria" Eilendorf unter Leitung von Kreischormeister Bruno Hütten. Der direkte Vergleich mit einem so qualifizierten Chor vor eigenem Publikum war für die Röher Sänger eine echte Herausforderung, die sie mit einer überzeugenden Leistung annahmen. Die Kirche war mehr als überfüllt, und das Konzert wurde für alle Zuhörer zu einem einmaligen Erlebnis.

Der MGV "St. Gregorius" hatte sich gefangen, und von nun an ging es unaufhaltsam nach oben. Sänger und Chorleiter hatten erkannt, daß auch ein Chor aus der "Provinz", wenn er gefordert wird und über entsprechendes Stimmenmaterial verfügt, durchaus einem Vergleich mit namhaften Chören standhalten kann. Und so brachten auch die folgenden Gemeinschaftskonzerte jeweils eine weitere Leistungssteigerung, vor allem in der modernen Chorliteratur, und große Erfolge: 1973 mit MGV "Liederkranz" Würselen unter Leitung von Heinz Gärgen, 1975 mit MGV "Sängerbund" Dürwiß unter Leitung von Otto Bücken, 1976 mit Männerquartett "Harmonie" Eschweiler-Nothberg unter Leitung von Hans Josef Roth.

Unzweifelhaft hatte der MGV "St. Gregorius" nun den Höhepunkt seiner musikalischen Leistungsfähigkeit überhaupt erreicht. Drei großartige Konzertveranstaltungen dieser Periode bleiben den Sängern unvergeßlich: Die Südtirolfahrt 1976, das Gemeinschaftskonzert zusammen mit dem Männerquartett "Harmonie" in der Aula des Schulzentrums Eschweiler-Stadtmitte 1977 und die erstmalige Teilnahme an einem internationalen Wettstreit für Männerchöre am 12. 3. 1978.

Anläßlich der mehrtägigen Sängerfahrt nach Schenna begeisterten die Röher Sänger im Großen Kursaal von Meran anläßlich eines Brauchtumsabends der Musikkapelle Schenna mehr als 700 Besucher. Das Konzert in der Pfarrkirche von Schenna war wohl das schönste Kirchenkonzert in der Vereinsgeschichte. Chorleiter Heinrich Zander hatte seinen Chor optimal vorbereitet und zur Hergabe seines ganzen Könnens motiviert. Bei der einmaligen Akustik der Kirche und der in allen technischen Belangen ausgereiften und perfekten Darbietung der Chorwerke bedankte sich das zahlreiche und fachkundige Publikum mit einem wahren Beifallssturm - ein Novum für Schenna, wie der Pfarrer feststellte.

Das Konzert im Schulzentrum war ein verspätetes Jubiläumskonzert anläßlich des 115jährigen Bestehens des Röher Chores. Die Lokalpresse bezeichnete "die auf hohem Niveau stehende Darbietung der A-capella Werke durch zwei der führenden Eschweiler Männerchöre" als einen "Höhepunkt für die einheimischen Freunde der Männerchormusik".

Unter dem Leitgedanken "Das Lied beherrscht die Welt" stellten sich rund 600 Sänger aus dem Dreiländereck am 12. 3. 1978 in Raeren einer internationalen Jury. Bei den Männerchören errang der MGV "St. Gregorius" auf Anhieb den ersten Preis und wurde mit einer Wanderplakette des Handwerker-Gesangvereins Raeren, dem Pokal des Ministers für französische Kultur und einem Ehrenpreis der Ministerin für flämische Kultur Belgiens ausgezeichnet. ",St. Josef Kaalheide (NL) hat einen würdigen Nachfolger gefunden", schrieb das "Eupener Grenzecho" am nächsten Tag. "Als der zupackende Chorleiter Heinrich Zander mit dem ,Landsknechtsständchen' begann, stand fest, daß das Publikum noch verwöhnt werden würde. Der Chor war für den Auftritt optimal eingestellt, da stimmte einfach alles, Rhythmus, Dynamik, Intonation, Sauberkeit der Einsätze. Der prachtvolle Wahlchor ,David und seine Harfe' wirkte wie aus einem Guß. Chor und Dirigent bildeten eine faszinierende Einheit. "Ein nahezu perfekter Chor", lautete der Kommentar des Fachkritikers.

Unter Mitwirkung von vier auswärtigen Solisten und Domorganist Herbert Voß veranstaltete der Chor anläßlich der Orgelweihe am 5. I 1. 1978 ein Kirchenkonzert in der wiederhergestellten Röher Pfarrkirche. Ein Großbrand hatte die kaum erst völlig renovierte alte Kirche bis auf die Grundmauern vernichtet. Wie schon einmal in den ersten Nachkriegsjahren hatte der Kirchenchor spontan beschlossen, eine Aktion zugunsten einer neuen Orgel durchzuführen. Die Sänger gestalteten an vielen Sonntagen in den Eschweiler Pfarrgemeinden Gottesdienste oder führten Konzerte durch. Nach Abschluß dieser Aktion konnte man dem Kirchenvorstand einen Scheck über 8.120 DM überreichen.

Beim Wiederaufbau war der Innenraum der Kirche wesentlich verändert worden und damit leider auch die Akustik. Die Sänger konnten sich nur schwer damit abfinden, daß infolge der nunmehr sehr trockenen Akustik der für den Röher Chor typische, weiche, runde Klang, die feine Nuancierung in der Dynamik und ein beinah ausgehauchtes Pianissimo beim Decrescendo in der eigenen Pfarrkirche nicht mehr möglich war. Keinerlei Hall, kein getragener Klang unterstützt seither den Vortrag der Sänger, ganz besonders, wenn er von der Orgelempore erfolgt. Schade, wo man in Röhe gerade im akustischen Bereich bisher geradezu verwöhnt war.

Ein großer Verlust traf den MGV "St. Gregorius" am 21. 9. 1979, als nach kurzer, schwerer Krankheit Chorleiter Heinrich Zander plötzlich und unerwartet verstarb. "Wir verlieren in dem Verstorbenen einen fähigen Dirigenten, einen bescheidenen, stets lebensfrohen Menschen, unseren Freund", schrieb der Vereinsvorstand in einem Nachruf. "Ausgezeichnet durch eine hohe musikalische Begabung und hervorragende menschliche Grundeigenschaften, hat er in fast 30jähriger Tätigkeit als Dirigent unserem Chor Format und Niveau gegeben".

Es dauerte fast ein Jahr, bis ein Nachfolger berufen war. In der Zwischenzeit ging das Vereinsleben mit seinen musikalischen und gesellschaftlichen Verpflichtungen weiter. Die Chormitglieder Helmut Lausberg und Simon Stump übernahmen gemeinsam Probenarbeit und Durchführung von Veranstaltungen. Die Sängerfahrt in den Salzburger Raum im Oktober 1979 mit einem mehrtägigen Aufenthalt am Wolfgangsee festigte erneut das Band der Sängerfreundschaft, zumal auch die ältesten Chorsänger noch mit von der Partie waren. Weitere Fahrten folgten: 1981 St. Peter im Schwarzwald, 1983 Dettelbach am Main. Hier gestaltete der Röher Chor zusammen mit dem Dettelbacher Gesang- und Orchesterverein ein Konzert mit anschließendem geselligen Abend, von dem besonders die Dettelbacher hellauf begeistert waren. "Chor stellt Notenständer in die Ecke", konnte man in der Dettelbacher Tageszeitung lesen. "Dann warteten die Sangesbrüder aus Eschweiler zur Überraschung der Zuhörer nach dem offiziellen Teil mit einem Riesenrepertoire an lustigen Liedern auf. Die flexiblen Sänger verzichteten dabei auf jegliches Notenmaterial."

Feste feiern gehört zur Tradition des Chores. Und daß die Röher Sänger auch auf diesem Gebiet ihre Freunde zu begeistern wissen, fanden nicht nur die Dettelbacher bemerkenswert. Gerade in Röhe ist die Mitwirkung des MGV St. Gregorius bei allen Veranstaltungen vieler Ortsvereine unverzichtbar. Das gilt nicht zuletzt für die Feier des Röher "Fastelovend", wo die Sänger kräftig mit auf die Pauke schlagen. Seit 1979 veranstaltet man wieder regelmäßig das altbekannte "Wurstessen", eine Karnevalssitzung von Format, die ausschließlich mit eigenen Kräften bestritten wird.

Ein außergewöhnliches Ereignis war der Besuch des "Cecylianski" Kirchenchores aus Krakau am 15.11.1981. Die polnischen Sänger weilten zwei Tage in Röhe, wo sie bei Sängerfamilien untergebracht waren. Eine Welle der Sympathie schlug diesem hervorragenden Chor entgegen und begründete eine Freundschaft, die bis zum heutigen Tage anhält. Zahlreiche Hilfstransporte für notleidende Mitmenschen in Polen wurden von den Kirchenchorsängern organisiert und durchgeführt.

Anläßlich seines 120jährigen Bestehens veranstaltete der MGV "St. Gregorius" einen Konzert- und Unterhaltungsabend in der bis auf den letzten Platz besetzten Röher Turnhalle. Ein voller Erfolg - auch für den neuen Chorleiter Franz Surges, der an diesem Tag in Röhe sein erstes weltliches Konzert leitete. Am 29. 11. 1981 verlieh der Diözesan Cäcilienverband in Aachen dem Chor die Palestrina-Medaille für seine Verdienste zur Förderung der Kirchenmusik.

In diesem Jahre nun kann der Jubelverein mit Stolz auf 125jähriges Wirken zurückblicken. Die geistliche Führung liegt in den Händen seines Präses, Herrn Pater Oomens, seit 1985 Nachfolger von Pfarrer Laumen, der seit 1973 die Pfarre St. Antonius Röhe betreut hatte.
Hans Franken leitet als Vorsitzender seit 1984 das Vereinsgeschehen als Nachfolger von Simon Stump.

"Möge die Zukunft für den Jubelverein eine glückliche Zeit des Friedens und Wohlergehens sein, damit es ihm gelinge, seine vornehmste Aufgabe zu erfüllen: Der ,Musica sacra' zu dienen und als Kirchenchor in seinem Lied Gottes Größe und Herrlichkeit zu verkünden - möge er ferner als ein bedeutender Träger des kulturellen Lebens unseres Heimatdorfes durch die Pflege des deutschen Liedes viel Menschen für das Gute und Schöne begeistern und ihnen echte Herzensfreude bringen, die unsere an geistigen Werten so arme Zeit dringend braucht."

Simon Stump
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In Röhe wird Chor-Tradition groß geschrieben


Männergesangverein St. Gregorius blickt auf 135 Jahre zurück - Gratulationscours am 21. Juni, Konzert am 23. Juni

Von Simon Stump

Eschweiler. Unter den Röher Ortsvereinen ragt einer ganz besonders heraus: Der MGV St. Gregorius kann in diesen Tagen zurückblicken auf stolze 135 Jahre ununterbrochener Tätigkeit und ist damit einer der ältesten Männerchöre der Stadt Eschweiler.

Gegründet wurde er bereits 1853 er ist somit ältester Röher Verein unter dem Patronat des damaligen Pfarrers Matthias Joseph Johnen (Pfarrer in Röhe von 1852 bis 1906) von dem jungen Lehrer Severin Vogler, der an der zweiklassigen Elementarschule am heutigen Rinkensplatz tätig war.

Der zunächst noch nicht straff organisierte Männerchor übernahm die Aufgabe eines Kirchenchores und widmete sich gleichzeitig der Pflege weltlichen Liedguts.

Offizielles Gründungsjahr des Gregorius-Vereins: 1861

Andreas Esser, der 1861 als erster Kaplan an die Röher Pfarre berufen und zum geistlichen Präses des Chores ernannt wurde, ging zusammen mit Lehrer Vogler sofort daran, das Vereinswesen zu konsolidieren. Vermutlich noch im selben Jahr wurden ein Vorstand gebildet und ein vorläufiges Vereinsstatut beschlossen. Der "Gregorius-Verein zu Röhe", so der offizielle Vereinsname, datierte nunmehr 1861 als das Jahr seiner Gründung.

Die Funktion eines Kirchenchores übte der Röher Männergesangverein mit Ausnahme der Jahre 1871 bis 1878 und 1908 bis 1921 bis zum Jahr 1989 aus. Der Vereinsname wurde mehrfach geändert: bis 1921 "Gregorius-Verein", ab 1921 "St.-Gregorius-Kirchenchor", ab 1933 "St.-Gregorius-Gesangverein", ab 1961 "MGV St. Gregorius Kirchenchor" und ab 1989 "MGV St. Gregorius".

Bis heute der geistlichen Musik verschrieben

Daß der MGV auch heute noch die Pflege geistlicher Musik, die Durchführung von Kirchenkonzerten und die regelmäßige Gestaltung von Gottesdiensten in der Heimatpfarrkirche für eine Selbstverständlichkeit hält, liegt zum einen an dem starken Traditionsbewußtsein aller Sänger; zum andern fühlt sich der Chor aber auch in hohem Maße der Tatsache verpflichtet, daß ihm als wichtiger Partner im Pfarr- und Gemeindeleben eine bedeutende Rolle zukommt.

135 Jahre sind kein "rundes Jubiläum", und eine ausführlichere Darstellung der Vereinsgeschichte bleibt bedeutenderen Anlässen vorbehalten. Hervorheben sollte man an dieser Stelle allerdings einmal drei frühere Dirigenten, die zusammen den Chor allein fast ein Jahrhundert leiteten. Aufgrund dieser ungewöhnlich langen Tätigkeit und ihrer vielseitigen Kompetenz formten, forderten und förderten sie den Röher Männerchor in vorbildlicher Weise und hinterließen jeweils ein weites Standard-Repertoire, das noch nach Jahrzehnten seine Zuhörer begeisterte.

Der Gründer Severin Vogler leitete den Chor 36 Jahre lang. Er war eine kraftvolle, überzeugende Persönlichkeit und ein Mann mit Weitblick, der auch in den schwierigen Jahren des Kulturkampfes (1871 bis 1878 war dem "Gregorius-Verein" das Mandat eines Kirchenchores entzogen) unbeirrt für seinen Chor musikalische und vereinspolitische Akzente setzte. Vogler scheute sich auch nicht, für die Sänger recht ungewohnt, bei der Aufführung größerer Chorwerke mit Hilfe von Mädchen und Knaben einen stattlichen gemischten Chor zu bilden. Seinen Männerchor-Nachwuchs zog er sich persönlich in einem Knabenchor heran.

Voglers Nachfolger wurde 1908 Johann Conrads

Besondere Ausstrahlungskraft, straffe Chorführung und eine hohe Sensibilität für feinsinnige Werkgestaltung zeichneten Johann Conrads aus, der den Chor von 1908 bis zu seiner altersbedingten Verabschiedung 1933 leitete, dann aber nach der Einberufung seines Nachfolgers Heinrich Huhn von 1940 bis 1950 seinen Dienst an der Röher Kirche noch einmal aufnahm.

Der Autodidakt Johann Conrads war aus den Reihen des "Gregorius-Vereins" hervorgegangen. Seine langjährige Tätigkeit als Vizedirigent hatte nicht nur seinen Sinn geschärft für Stimmen und Harmonien, für textorientierte Einstudierung insbesondere balladenhafter Chorwerke und Volksliedbearbeitungen, sondern ihn schon früh reifen lassen zu einem kompetenten wie inspirierten, überaus vielseitigen Dirigenten. Es war nicht zuletzt sein Verdienst, daß auch in den Notzeiten zweier Weltkriege und der ersten Nachkriegsjahre der Chor aktiv bleiben konnte.

Kritiker schrieb: "Ein nahezu perfekter Chor"

Sein unmittelbarer Nachfolger Heinrich Zander, ein außergewöhnlich begabter Musiker "waschechter Röher Junge" übrigens. Er entwickelte sich schnell zum idealen Partner. für die Röher "Gregorianer", denen er menschlich und emotional verbunden war wie kein anderer Dirigent vor oder nach ihm. Aufbauend auf dem musikalischen Erbe seines Vorbildes Johann Conrads, von dem er Bewährtes übernahm und fortführte, setzte er zunehmend eigene Akzente und erarbeitete ein anspruchsvolles Repertoire neuer Chorwerke, vor allem auch von zeitgenössischen Komponisten, denen seine Liebe gehörte.

Heinrich Zanders meisterhaftes Intonationsvermögen, seine unkomplizierte, präzise Stabführung und ein sicheres Gespür für publikumswirksame Interpretation machten den MGV St. Gregorius bald zu einem im ganzen Eschweiler Raum, vor allem auch in Fachkreisen, angesehenen und beliebten Chor. 1978 kommentierte ein belgischer Musikkritiker den Auftritt des Chores bei einem internationalen Sängerwettstreit in Raeren so: "Chor und Dirigent bildeten eine faszinierende Einheit. Ein nahezu perfekter Chor".

Ein Jahr darauf starb Heinrich Zander plötzlich nach kurzer, schwerer Krankheit. Ein Verlust, der den MGV St. Gregorius aufs schwerste traf. Aber der beliebte Chorleiter ist nicht vergessen: Vortragsweise und Repertoire des Chores lassen in vielem noch heute seine musikalische Handschrift erkennen. Seit 1. November 1995 leitet Rolf Besse, ein erfahrener Kirchenmusiker und Dirigent, den Röher Chor. Seine hervorragende Musikalität und ein dynamischer Vereinsvorstand, an der Spitze Heinz-Willi Schiffeler, bieten die Gewähr dafür, daß der MGV St. Gregorius auch in Zukunft viele Menschen mit seinem Gesang erfreuen und begeistern wird.

Zwei Veranstaltungen zum 135jährigen Bestehen

Eine offizielle Würdigung erfährt das Jubiläum durch zwei öffentliche Veranstaltungen in Röhe: Am Freitag, 21. Juni, 20 Uhr, findet im Vereinslokal Nickel-Adams eine Jubiläumsfeier mit Gratulationscours und Programm statt. Am Sonntag, 23. Juni, 11.15 Uhr, beginnt in der Röher Mehrzweckhalle (Grundschule) das "Freundschaftssingen", ein. hochrangiges Chorkonzert, bei dem außer dem Jubelverein sieben befreundete Männerchöre mitwirken werden.

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aus: Festschrift 600 Jahre Röhe (1948)

St.-Gregorius-Gesangverein

Wie oft sprach er im Lied zu verwandten Herzen und vereinte die ganze Gemeinde mit geheimer und doch so gewaltiger Macht.

Im Jahre 1861 wurde der St.-Gregorius-Gesangverein durch den damaligen Lehrer Severin Vogler und mehrere sangesfreudige Männer des Ortes unter dem Protektorat des Pfarrers Matthias Josef Johnen ins Leben gerufen. Pflege des Gesanges in jeglicher Richtung und gesellige Unterhaltung waren das Leitmotiv, das die Männer vor nunmehr 87 Jahren in echter Sangesfreundschaft zusammenführte.

Neben der Pflege des Chorgesanges und des deutschen Volksliedes wurde auch der Kirchengesang zur Verschönerung des Gottesdienstes übernommen.

Das Gründungsstatut, das damals niedergeschrieben und von sämtlichen Mitgliedern unterschrieben wurde, ging leider durch die Geschehnisse des letzten Weltkrieges verloren.

Die Treue und opferfreudige Hingabe der Sänger an den Verein wurde im Jahre 1869 durch die Weihe einer prachtvollen Fahne aufs neue besiegelt. Die Leitung des Vereins übernahm Herr Lehrer Vogler. Er bekleidete dieses Amt volle 28 Jahre bis zu seiner Berufung als Hauptlehrer nach Weiden im Jahre 1889.

Sein Nachfolger wurde der damalige Küster und Vizedirigent Herr Hubert Bertrams, welcher bis zu seinem Tode im Jahre 1908 dem Verein ein rühriger Leiter war. Während der Amtszeit des Herrn Bertrams hatte sich bereits eine neue Kraft herangebildet, und zwar in der Person des aktiven Mitgliedes, des Herrn Johann Conrads.

Freudig unterstellten sich dann die Sänger seiner Leitung. Wenn von großen Erfolgen gesprochen werden kann, die der Chor in der Folgezeit zu verzeichnen hatte, so sind dieselben in der Hauptsache seiner opferfreudigen und zielbewußten Arbeit als Chorleiter zu verdanken. So konnte der Verein im Jahre 1911 sein 50jähriges Jubelfest mit 50 aktiven Sängern unter seiner Leitung feiern.

Dann folgte im Jahre 1921 das Fest des 60jährigen Bestehens. Beide Feiern legten Zeugnis ab für die freudige Opferbereitschaft der Sänger, insbesondere aber für die zielbewußte und straffe Leitung des Chormeisters.

Als im Jahre 1833 Herr Conrads mit Rücksicht auf sein vorgeschrittenes Alter die Leitung des Vereins einer jüngeren Kraft zu übertragen bat, fiel die Wahl auf den jungen und talentvollen Musiklehrer Herrn Heinrich Huhn. Diesem übergab Herr Conrads nach 25jähriger erfolgreicher Tätigkeit den Chor zu treuen Händen und blieb selbst noch lange Zeit ein eifriger aktiver Sänger.

Herr Huhn übernahm dann die Leitung des Vereins mit fester und fachkundiger Hand. Er hat es meisterhaft verstanden, das von Herrn Conrads übernommene Erbe nicht nur zu halten, sondern es wesentlich zu mehren.

Sein Können und musikalisches Genie kamen bei der 75-Jahr-Feier des Vereins am 18. und 19. Juli 1936 zur glanzvollen Entfaltung. Diese Feier war der Höhepunkt in der Geschichte des Vereins, an der der ganze Ort regsten Anteil nahm. Der Besuch vieler auswärtiger Brudervereine sowie zahlreiche Glückwünsche aus nah und fern legten beredtes Zeugnis ab für die Beliebtheit, deren der Verein sich überall erfreute.

Bei dieser Feier wurde dem Verein durch den Kreisschulrat Bappert als Vertreter der Regierung die vom Herrn Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung gestiftete silberne Zelter-Plakette für Verdienste um die Förderung des Chorgesanges und die Pflege des deutschen Volksliedes überreicht.

Neben all diesen schönen Erfolgen hat der Chor aber auch schwere Verluste zu beklagen gehabt. Im Weltkriege 1914-18 starben 10 treue Sänger den Heldentod, 2 weitere blieben vermißt. Beim letzten Weltbrand ließen 8 tapfere Sänger ihr junges Leben. In den Herzen der übrigen Sänger aber leben sie weiter, und ihr Andenken wird stets in Ehren gehalten.

So lebt der Geist der vor 87 Jahren die Gründer des Vereins beseelte, auch heute noch in den Reihen der Sänger fort. Nicht einen Tag hat der Verein in diesen langen Jahren geruht. Weder Krieg noch sonstige Ereignisse haben je vermocht, das innige Band echter Sangesfreundschaft zu zerreißen. Dafür zeugt eine ansehnliche Anzahl von aktiven Sängern, die heute auf eine 25- bis 50jährige Mitgliedschaft zurückblicken können.

Heute führt Herr Conrads trotz seines Alters wieder den Dirigentenstab. Er sprang in die Bresche, als der Ruf zum Heeresdienst an den Chorleiter Herrn Huhn erfolgte. Möge dieser Geist selbstloser Hingabe und opferfreudiger Sangesfreundschaft dem Verein auch fernerhin erhalten bleiben, und möge es ihm vergönnt sein, nach weiteren 13 Jahren die Feier des 100jährigen Bestehens mit der alten Liebe und Begeisterung für die edle Kunst des Gesanges zu begehen!



 

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